Virtuelles Geld Entwurf

Entwurf des Textes zum virtuellen Geld (Virtuelles Geld im E-Commerce.doc)
Zusammenfassung des alten Aufsatzes

6. Virtuelles Geld im iCommerce

6.1. Zusammenfassung

Der iCommerce definiert die Wirtschaftsprozesse auf der Basis des Internet. Das neue Kommunikationsmedium definiert die Wirtschaftsprozesse neu. Es eröffnet mit seiner flächigen Informationsbereitstellung und der geringen Entropie für das Einsatzgut „Information“ neue Wirtschaftsprozesse und neue Produktionsverfahren für neue Güter. Das Internet stellt eine Plattform bereit, die in der Tradition der ökonomischen Entwicklung die Basis für umwälzende Veränderungen des Wirtschaftslebens ist.

Die innovativen Produkte und Handelsformen bewirken eine neue Definition der Zahl- und Tauschverfahren für die gehandelten Güter. Die flächige Präsenz des Mediums und unmittelbare Verfügbarkeit von Informationen machen einige Leistungen überflüssig oder definieren die Funktion von Wirtschaftsteilnehmern neu. Der iCommerce braucht beispielsweise eine Clearingstelle, die wechselseitige Kreditgewährung im Handelsprozess organisiert. Die Kreditinstitute organisieren in der Old Economy die Kreditgewährung nur im Investitionsprozess, indem sie das Risiko gegen eine Zinsmarge übernehmen.

Das Geld hat aus dieser Tradition zwei Funktionen: als Tauschmittel und als Vermögensäquivalent. Für den iCommerce wird man sich auf die erste Funktion beschränken. Hier gilt es, das kurzfristige Kreditrisiko aus der Tauschfunktion abzusichern. Das langfristige Risiko aus der Investitionsfunktion des Geldes ist keine zwingende Voraussetzung für die reibungslose Abwicklung des iCommerce. Aus dieser Definition folgt, daß die Liquiditätshaltung, oder Hortung des Geldes in der virtuellen Welt des iCommerce nicht belohnt zu werden braucht.

Aus der Reduktion des Geldes auf seine Tauschfunktion folgen einige Implikationen auf die Geldtheorie im iCommerce und auf die Rolle der Geldverleiher, der Zentralbanken und der Investitionstheorie. In der Old Economy wird derjenige mit einem Zinssatz entschädigt, der auf die langfristige Hortung seines Geldes verzichtet. Je unsicherer die zukünftige Entwicklung sich darstellt, desto höher muß der Zinssatz sein, der dem Gläubiger versprochen wird. Das Geld wird demnach aus der Tausch- in die Vermögensfunktion überführt, je nachdem, wie hoch der versprochene Zinssatz ist. Im iCommerce wird für die Tauschfunktion kein Zinsertrag versprochen, was die Hortung von Geld relativ uninteressant macht.

Trotzdem werden Investitionen nicht vermieden, denn die Herstellung von (digitalen) Gütern im iCommerce verspricht steigende Skalenerträge. Dieser Prozeß hat hohe Attraktivität, zumindest solange, bis die anderen Wirtschaftsteilnehmer eine bessere Variante desgleichen Gutes oder ein anderes Gut mit neuen steigenden Skalenerträgen ausgemacht haben. Dann lohnt sich eine neuerliche Investition in eine erfolgversprechende Produktion oder eine eigene Produktion. Letzteres ist bei der geringen Entropie und den damit einhergehenden niedrigen Einstiegsschwellen eine realistische Variante für den Teilnehmer am iCommerce.

Die Tauschfunktion des virtuellen Geldes hat weitreichende Konsequenzen für die Wirtschaftstheorie des iCommerce, die mehr darstellt, als eine bloße Diskussion mehr oder weniger sicherer Zahlmethoden. Letztere setzen einen Rücktausch in eine reale Währung voraus. Das virtuelle Geld kann in seiner reinen Form nicht in reale Währungen getauscht werden. Dieser Vorgang kann lediglich ein Zwischenstadium sein.

6.2. Geld in der Old Economy

Geld erfüllt in der Old Economy mehrere Funktionen. Es ist zum einen Tauschobjekt und zum anderen Vermögensspeicher, es ist in diesen Funktionen Steuerungsinstrument und Preissignal, aber auch Bonitätsindikator und Vergleichsmaßstab.

Als Tauschobjekt ist es die unverrückbare Grundlage der arbeitsteiligen Wirtschaft. Der Herstellungsprozess ist ohne eine Bewertung der Zwischenergebnisse und der Einsatzfaktoren nicht auf mehrere Hersteller zu verteilen. Ein Handel ohne eine Tauschwährung ist nicht durchführbar. Im Handel wird das Geld weitergegeben; und zwar im direkten Austausch mit den gehandelten Gütern. Die Aufgabe in der Organisation des Handels besteht darin, das Geld verlustlos und eindeutig weiterzugeben. Hierzu bedient sich der Handel neutraler Einrichtungen. Die Organisation soll sicherstellen, daß kein Geld ohne entsprechende Lieferung oder Leistung ausgezahlt wird und damit verloren ist. Sie soll aber auch gewährleisten, daß kein neues Geld ohne Gegenleistung „erzeugt“ wird. In diesem Umfeld wird das Geld gegen Güter getauscht und weitergegeben.

Als Vermögensspeicher wird das Geld gerade nicht weitergegeben, sondern zurückhalten und gehortet. Vor allem bei unsicheren Zukunftserwartungen steigt die Präferenz für die Vermögensbildung. Der Besitzer des Geldes wird erst durch eine Prämie, einen Zins, motiviert, sich von seinem Geld zu trennen. In der Old Economy hat diese Funktion einen Selbstzweck erhalten. Die Besitzer von Geld mehren ihren Besitzstand, indem sie das Geld für sich arbeiten lassen. Sie erhöhen ihr Vermögen über den Zinseszinseffekt und entziehen somit den Wirtschaftskreislauf immer mehr Geld, das dann für Konsum oder Investition nicht mehr zur Verfügung steht.

Ist die Wirtschaft nicht in der Lage, das Kapital mit der geforderten Rendite zu bedienen, kommt es zu einer Krise, denn dem Wirtschaftskreislauf wird das verdiente Kapital vorenthalten. In der Krise verschwinden unrentable Unternehmen, investiertes Sachkapital wird unter seinem Wert in den Handel zurückgegeben, Forderungen werden wertlos und Beschäftigte arbeitslos. Dieser Prozess setzt sich fort, bis das geringere Sachkapital und die billigeren Produktionsmittel wieder eine höhere Rendite erwirtschaften können. Die neuen Produktionsprozesse werden mit dem zurückgehaltenen Kapital ausgestattet. In vielen Fällen kommen die Arbeitskräfte aber nicht wieder in die Beschäftigung, da nach einer Krise der ideale Zeitpunkt zur Substitution von Arbeit durch Kapital gegeben ist.

Die Old Economy kann wegen der Mindestverzinsung des Kapitals langfristig nur solche Unternehmen und Produktionsprozesse am Leben erhalten, die neben der Entlohnung der Arbeit und der Vergütung der Vorprodukte auch das Kapital mit einer Verzinsung bedienen. Nach dieser Vorgabe sind Produktionen unrentabel, die nur die Arbeiter, inklusive Unternehmer, entlohnen. Da die Natur als Produktionsfaktor nicht vorkommt, wird sie auch nicht entlohnt. Die Vergütung für die Arbeit soll diesen Faktor reproduzieren, die Verzinsung steigert den Faktor Kapital, die fehlende Vergütung für den Naturverbrauch schafft keine Möglichkeit, die Natur zu regenerieren.

Der immanente Trend in diesem System sorgt also für die Vermehrung des Kapitals, für Arbeitslosigkeit nach jedem Wirtschaftsabschwung und für unumkehrbaren Naturverbrauch. Die Vermögensfunktion des Geldes ist nicht der einzige Grund für diese Entwicklung, aber sie ist sicher eine gewichtige Einflussgröße. Die Definition des Geldes als Maßstab für die Bonität, als relative Größe sozialer Wertschätzung unabhängig von seiner Herkunft, als Barometer der Macht einer Wirtschaft, ist ein fundamentaler Bestandteil der industriellen Kultur. Seine Bedeutung für die gesellschaftlich anerkannten Konventionen haben es zu einem Kulturbestandteil gemacht. Es hat sich nicht selbst definiert, sondern ist zum Symbol der westlichen Gesellschaften geworden. Ohne die Hortung von Geld fehlt der Gesellschaft ein Bestandteil ihrer Definition.

Ein Produktionsprozess ohne Kapitaleinsatz kommt in der Old Economy nicht mehr vor. Angefangen von der Befriedigung der Grundbedürfnisse in der landwirtschaftlichen Erzeugung über die Herstellung von Investitionsgütern bis zur Produktion von Konsumgütern bringt die Wirtschaft materielle Güter an den Markt, die nach einem Absatz suchen. Außerhalb der Tauschfunktion bewirkt der Zwang zur Verzinsung des eingesetzten Kapitals die Umkehrung der ursprünglichen Idee von der Bedarfsorientierung der Wirtschaft. Materielle Güter werden erzeugt und anschließend verkauft. Der Bedarf nach diesen Produkten wird über mehr oder weniger subtile Methoden des Marketings erzeugt. Die Waren müssen über ein Push Marketing an den Verbraucher gebracht werden, um ihm sein Geld für den Konsum zu entlocken.

Nach diesem Mechanismus ist die Arbeitslosigkeit ebenso wie der Naturverbrauch systemimmanent. Bei dem Naturverbrauch ist das unmittelbar nachzuvollziehen, denn ein freies Gut, wie saubere Luft, Wälder oder Flüsse verdient keine Entlohnung, hat also auch keinen Ertrag, mit dem der Einsatzfaktor regeneriert werden kann. Bei der Arbeit als bezahltem Einsatzfaktor ist der Zusammenhang nicht so offensichtlich. Arbeit wird mit dem großen Kapitalstock substituiert. Der Einsatz der Arbeit wird also selbst bei wachsender Wirtschaft nur mit einer Rate wachsen, die über die Substitutionselastizität zwischen Arbeit und Kapital bestimmt wird. Da beides aber Bestandsgrößen sind, wird langfristig die Arbeit bei steigendem Kapitaleinsatz mit einer Umschichtung der Bestände weniger eingesetzt.

Das Kapital kann der Wirtschaft vergleichsweise konsequenzenlos vorenthalten werden; jedenfalls ohne direkte persönliche Konsequenzen. Kein Investor kann gezwungen werden, der Wirtschaft sein Geld zu einem geringen Zinssatz zur Verfügung zu stellen. Er kann allenfalls überredet werden, indem ihm Renditen versprochen werden. Die untere Grenze für den risikoscheuen Investor ist aber der langfristige Kapitalmarktzins, den er auf jeden Fall in Staatsanleihen realisiert. Die Verschuldung des Staates setzt somit eine untere Grenze für die Rentabilität des Vermögens und damit eine untere Grenze für die Produktionschancen der Wirtschaft in ihrer Akquisition von Investitionskapital. Ohne den Staat und seine Verschuldung fehlt dem Kapital die alternative Verwendung. Somit ist die Arbeitslosigkeit direkt mit den Zinserträgen und der Verschuldung des Staates verbunden.

Die phänomenologische Betrachtung der Wirtschaftszahlen und des Arbeitsmarktes belegt die Analyse der Prozesse in der Gesellschaft. Die Zinslast der Unternehmen vergrößert sich permanent. Die Zinslast des Staates hat ein beängstigendes Ausmaß angenommen, sie zwingt zu immer neuen Schuldenaufnahmen mit weiter erhöhten Zinsverbindlichkeiten. Neben den Zinsen der Wirtschaft, die man mit den oben gemachten Einschränkungen noch als Voraussetzungen für eine Produktion akzeptieren und tragen kann, sind die Zinsausgaben des Staates ein tatsächlicher Entzug des wirtschaftlich einsetzbaren Kapitals; eine reine Umverteilung von Steuern auf Geldvermögen.

Dabei nimmt aber die Arbeitslosigkeit trotz sogenannten Wirtschaftswachstums weiter zu, obwohl es mehr als genug Arbeit gibt. Der Begriff „Beschäftigungslosigkeit“ ist eine bessere Beschreibung der Situation. Es gibt reichlich Arbeit zum Beispiel bei der Wiederherstellung der Natur, bei der Nutzung umweltschonender Energien, in der qualifizierten Ausbildung der Kinder und Jugendlichen, in der Pflege der Städte, im sozialen Sektor oder bei der medizinischen Versorgung. Die Arbeitskräfte können aber nicht beschäftigt, nicht entlohnt werden, wenn in dem Produktionsprozess nicht auch zwingend Kapital eingesetzt und verzinst wird. Unternehmen, die „nur“ die Arbeit entlohnen, sind in der industriellen Gesellschaft nicht vorgesehen; zumindest bekommen sie kein Kapital zum „Nullzinssatz“.

In der Wirtschaftspolitik nimmt nicht nur der Staat als Absorber des Kapitals eine wichtige Rolle ein, auch die Zentralbank als Regulator des Geldangebotes greift in den Kreislauf ein. Im kybernetischen Sinne setzt sie die Geldmenge als Stellgröße zur Korrektur der Umlaufmenge des Geldes ein. Je nach der beabsichtigten Fristigkeit ihrer Einflußnahme beleiht sie entweder Wertpapiere, Wechsel oder Guthaben und vergibt gegen diese Sicherheiten Kredite an die Geschäftsbanken. Für diese Kredite wird wiederum ein Zinssatz festgelegt, der die Attraktivität der Kredite markiert. So kann sie dem Wirtschaftskreislauf Geld entziehen, oder neues Geld hinzufügen. Über das Bankensystem versucht sie eine optimale Geldmenge im Umlauf zu halten. Je nachdem, wie gut ihr das gelingt, machen sich diese Aktionen in der Wirtschaft als Inflation oder Deflation bemerkbar. Da nach der neoklassischen Wirtschaftstheorie im Zeitablauf beständig ein technischer Fortschritt erwartet wird, gibt dieser einen guten Grund, die Geldmenge kontinuierlich steigen zu lassen, denn mit weniger Faktoreinsatz – und Geldeinsatz – läßt sich mehr kaufen. Der Warenstrom mit seinem inkorporierten Fortschritt läuft also der prognostizierten Geldmenge voraus.

Nun ist der technische Fortschritt in Geldeinheiten gemessen aber die falsche Hypothese, weil über den Naturverbrauch ein Faktor praktisch nicht entlohnt wird, wie an anderer Stelle ausführlich dargestellt. Die Geldpolitik der Zentralbank, oder besser die gesamte Geldpolitik absorbiert das Natureinkommen und führt es dem Kapitaleinkommen über den Zins zu. So ist erklärlich, warum der gewonnene Überschuss aus dem kostenfreien Natureinsatz dem Kapitaleinkommen zugeschlagen wird und nicht dem Arbeitseinkommen. Diese Aussage ist nur tendenziell richtig, in Wahrheit gibt es sehr wohl eine indirekte Umverteilung des Natureinkommens auch auf Arbeit, allerdings ist diese bestimmt durch das Einsatzverhältnis von Kapital zu Arbeit. Dieses Einsatzverhältnis variiert mit der Substitutionselastizität der Einsatzfaktoren. Wegen des erhöhten Kapitaleinsatzes nach einer Krise ist diese Elastizität relativ hoch. Die statistische Ermittlung dieses Wertes ist nicht einfach, sicher ist nur, daß sie nicht den Wert 0 hat. Für die grundsätzlichen Überlegungen hat der genaue Wert keine Relevanz, denn je nachdem, welchen Wert er zwischen 0,1 und 1 annimmt, bestimmt er am Ende nur die Geschwindigkeit der langfristigen Substitutionseffekte.

Wenn der relative Preis des Kapitals niedriger als der von Arbeit ist, führt dies auf jeden Fall zu einer kontinuierlichen Abnahme des Arbeitseinsatzes in der Wirtschaft. Das der relative Preis dauerhaft niedriger ist, ist nach den bisherigen Ausführungen keine Frage, denn die Entlohnung des Kapitals wird von den Kreditgebern über ihre Liquiditätspräferenz erzwungen. Sie können das Geld der Wirtschaft versagen und es in vermeintlich sichere Staatsanleihen stecken. Für Beschäftigung gilt dieser Wirkungsmechanismus nur eingeschränkt. Nur theoretisch kann die Arbeit sich dem Markt entziehen und in der Arbeitslosigkeit verharren. Praktisch erzwingt aber der Lebensstandard und das Konsummarketing ein Verdienststreben deutlich über der Arbeitslosenunterstützung.

Die Banken haben in dem industriellen Gesellschafts- und Wirtschaftssytem eine bedeutende Rolle als Vermittler des Geldvermögens. Sie machen die Bonitätsprüfung für die Geldanleger. Da die Vermögensinhaber die Kreditnehmer nicht kennen, brauchen sie die Banken als Clearingstelle für Geld. Für diese Dienstleistung nehmen die Banken die Zinsmarge zwischen eingelegtem und ausgegebenem Geld ein, neben den Gebühren für Depotverwaltung, Konoführung, etc. Für den Staat als Kreditnehmer gilt das nur im kurzfristigen Bereich, denn langfristige Anleihen verwahrt die Bundesschuldenverwaltung des Staates kostenlos für den Geldgeber. Immerhin wird die Aufgabe der kurzfristigen Steuerung der Geldmenge und die Vermittlung zwischen privaten Anlegern und Kreditnehmern komplett von den Banken wahrgenommen. Sie organisieren für die beiden unbekannten Parteien die Ein- und Auszahlungen und vermitteln somit der Wirtschaft das benötigte Investivkapital.

Die Aufgabe der Banken definiert sich zum einen aus der Tatsache, daß die Interessen unbekannter Teilnehmer am Geldkreislauf zum Ausgleich gebracht werden müssen. Dafür wird die Risikoprämie (Zinsmarge) gezahlt. Zum anderen helfen sie dem Staat und der Zentralbank bei der Steuerung der Geldmenge über den Zins. Dafür bekommen sie ebenfalls eine Zinsmarge. Bei Verzicht auf eine Vergütung für die Aufgabe der Liquiditätspräferenz – den Zins - fehlt den Banken ein wichtiges Betätigungsfeld. Falls die Geldgeber und Kreditnehmer sich kennen würden und einander vertrauen, büßt die Bank ihre Rolle als Vermittler ein. Ohne die Funktion des Geldes als Vermögensspeicher brauchten beide Funktionen gar nicht in Betracht gezogen werden.

Eine Bank bringt das Geld aus seiner Verwendung als Vermögensspeicher in die Funktion als Produktionsfaktor zurück. In diesem Kreislauf ist es fast müßig, die Frage nach Ursache und Wirkung oder nach der Reihenfolge des kybernetischen Kreislaufes zu stellen. Tatsächlich ist das System fast geschlossen mit einem ständigen Zulauf an unbewerteter Natur. Im iCommerce werden die Regeln der Produktion und der Verwendung des Geldes aber neu geschrieben. Hier entsteht ein neues Gleichgewicht mit anderen Produktionsfunktionen und anderen Faktornachfragen.

6.3. Geld im iCommerce

Um das dem iCommerce, das heißt der Ökonomie im Internet, am besten angepasste Zahlungsmittel zu definieren, setzt man an den Charakteristika des Mediums an. Das Internet ist schnell und interaktiv mit multilateralen Beziehungsknoten. Die Teilnehmer sind anonym, können aber über das Netz interagieren und ohne wesentliche Kosten Informationen austauschen. Die Entropie und damit die Kosten der Informationsbeschaffung sind gering. Der Teilnehmer am Internet wird mit den erlangten Informationen virtualisiert. Das Ziel der Kontaktaufnahme ist nicht die persönliche Bekanntschaft des wirklichen Menschen, sondern die Komplettierung eines Bildes von einem Menschen mit den für die jeweilige Anwendung wichtigen und aussagekräftigen Merkmalen.

Für gezieltes Marketing sind Daten zu dem virtuellen Partner wichtig: sein Alter, sein Beruf, seine Hobbys, seine Ausbildung, usw. Weniger interessant sind ja nach Zielgruppe seine Wohnung, seine Essgewohnheiten, sein Urlaubsort, sein Arbeitgeber und Ähnliches. Mit den Daten baut sich ein virtuelles Bild auf, das die Ausprägungen der Zielgruppe und ihrer einzelnen Elemente beschreibt. Der Partner ist praktisch eine Datensammlung, die vollständig digitalisiert sein muß, um in einer Datenbank für mailings oder personalisierte Angebote optimal bearbeitet zu werden.

Eine wesentliche Grundlage des Zahlungsverkehrs ist die Beschaffung von Bonitätsinformationen. Zu diesem Zweck ist das Aussehen des Menschen tatsächlich unerheblich. Viel wichtiger sind Kenntnisse des Zahlungsverhaltens, negative Erfahrungen anderer, richtige Informationen zu seinem sozialen Umfeld, das verfügbare Einkommen, die Nummer des Personalausweises, usw. Der Zahlungsverkehr hat die Aufgabe, einen Kaufvertrag zu einem verläßlichen Abschluß zu bringen. Er kann nicht verhindern, daß ein Teilnehmer sich Güter ohne Zahlungen erschleicht, oder Geldflüsse ohne Gegenleistung versanden. Die verläßliche Geschäftsabwicklung kann nur durch Mechanismen im Transaktionsablauf gesichert werden. Die Zahlung tauscht lediglich Geld gegen Güter.

In diesem Sinne hat das Geld im Internet nur eine Aufgabe: es dient als Tauschmittel. Die Funktion als Vermögensspeicher wird im iCommerce nicht gebraucht. Wenn ein Verkauf erfolgreich verabredet ist, braucht Geld nur noch transferiert werden. Das ist die reine Handelsanwendung des Geldes. Für den verlustfreien Austausch ist im iCommerce eine Bank oder ein Geldverleiher nicht notwendig. Der Handel braucht verläßliche Informationen über beide Parteien. Der Käufer muß seinen Verpflichtungen ebenso nachkommen können und wollen wie der Verkäufer.

Im Einzelhandel der modernen arbeitsteiligen Wirtschaft stehen sich die Vertragsparteien gegenüber und tauschen das Geld bar aus. Das ist die Übergabeform mit dem geringsten Risiko. Im Zweifel wird der Käufer nicht bezahlen, wenn er die Ware oder die Leistung nicht erhalten hat. Beim Versandhandel oder im gewerblichen Bereich stehen sich die Partner nicht gegenüber, in der Regel kennen sie sich nicht persönlich. Wenn sie sich positive Bonitätsinformationen verschafft haben, wird einer der beiden den ersten Schritt zur Erfüllung des Handels tun. Entweder der Verkäufer gewährt bis zur Zahlung einen Lieferantenkredit und bringt sein Gut auf den Weg, oder der Kunde schickt das Geld als Vorkasse los. Die Kosten der Informationsbeschaffung für den jeweiligen Kredit sind nicht zu unterschätzen. Sie machen einen Handel erst ab einer bestimmten Ertragsgröße rentabel. Die Dauer seiner Geschäftsbeziehungen zählt deshalb zu den assets eines Handelsunternehmens.

Wenn der Handel abgeschlossen ist, kommt der rein technische Teil, nämlich die Übersendung der vereinbarten Zahlung. Die Barzahlung ist im Versandhandel ebenso selten geworden, wie die Nachnahme per Post. Beide Varianten sind wegen des manuellen Aufwandes sehr teuer. In den meisten Fällen werden deshalb die Zahlungen über die Vermittlung einer Bank weiter geleitet; durch Überweisung, Schecks, Wechsel, Übersendung von Identnummern zur Abbuchung oder Bankverbindungen zum Lastschrifteinzug. Die Bank ist der Vermittler, der den Auftrag ausführt.

Das Bankensystem sorgt für den verlustfreien Übertrag und übernimmt das damit verbundene Risiko, und zwar bei jeder Transaktion des Giralgeldes im Kreislauf der Wirtschaft. Der Empfänger ist nur berechtigt, aber nicht verpflichtet, das Giralgeld in physische Währung einzutauschen, wenn es in seinen Besitz gelangt ist. Die zentralen und lokalen Banken garantieren den verlustfreien Bestand des umlaufenden Geldes, unabhängig davon, wie oft es zwischen den Konten bewegt wurde. Den Beweis liefern sie, indem sie auf Verlangen das Geld an irgendeiner Stelle des Kreislaufs in physische Währung tauschen.

Die Banken vermischen ihre Dienstleistungen zu einem Angebotsspektrum für ihre Kunden. Neben dem Geldtransfer wird die Hortung des Geldes verzinst, und zwar je nach Länge der Verpflichtung mit unterschiedlichen Zinssätzen. Den registrierten Teilnehmern am System wird so eine Mischung von Dienstleistungen offeriert, in der die Übertragung des Geldes nur ein Teilaspekt ist. Daneben werden Einlagen verzinst, Kredite gewährt oder Investitionen finanziert. Für die virtuelle Übertragung von Geld ist dieses Nutzenbündel nur von untergeordnetem Interesse.

Im iCommerce ist eine ähnliche Abwicklung gefragt – der Übertrag von Geld zwischen unbekannten Parteien. Im Unterschied zur Old Economy können die Partner im iCommerce aber direkt in eine Interaktion miteinander treten. Im einfachsten Fall schicken sie ein email. Sieht man von Fälschungsvarianten und Betrügereien ab, könnte das email wie Geld behandelt und weitergegeben werden. Der nächste Empfänger hätte ein dokumentiertes Zahlungsversprechen auf seinem Rechner, das er für seinen Tausch gegen Leistungen weiter verwenden könnte. Es ist unmittelbar einsichtig, daß diese Art weder fälschungssicher noch verlustfrei ist.

Zur Durchführung eines praktikablen Transfers wird also auch im iCommerce ein verläßliches Medium gebraucht, das nicht beliebig zu vermehren oder zu fälschen ist. Es muß jedoch nicht zwingend in die Realität zurück getauscht werden, also braucht weder seine Bezeichnung noch sein Wert eine reale Währung sein. Die Anforderung an Geld im iCommerce ist weniger streng, als an eine reale Währung. Es sind keine aufwendigen Druckverfahren oder fälschungssichere Produktionen notwendig, wenn der Kreislauf zwischen vertrauenswürdigen und bekannten Partnern geschlossen bleibt. Diese Voraussetzung ist aber im Internet praktisch nicht erfüllbar. Die Vertrauenslücke muß von einem neutralen Partner geschlossen werden.

Als ein solcher Partner wären Banken geeignet. Dazu müßten sie ihre Rolle aber in dieser Weise verstehen und definieren; was sie bisher nicht getan haben. Die bisherigen Versuche der Banken auf diesem Gebiet sind gescheitert. Das von Kreditinstituten verwaltete Cybergeld hat sein Versuchsstadium nie verlassen. Wegen der umständlichen Handhabung bei der Aufladung des Geldes auf den Rechnern der Sender und der Installation der Software bei den Empfängern hat es nur eine ganz geringe Akzeptanz gefunden. Entscheidend für den Mißerfolg dürfte jedoch gewesen sein, daß nach einer Transaktion das E-Cash in Real Cash zurück getauscht werden mußte. Daran zeigt sich, wie gefangen die Kreditwirtschaft in ihrer Rolle als Vermittler und Verleiher war. Den letzten Schritt zu einer virtuellen Währung war man nicht bereit zu gehen.

Im Detail verfahren die Banken bei dem Transfer von elektronischen Geld nach folgendem Muster: der Sender kauft bei einer Lizenzbank einen bestimmten Betrag und lädt ihn auf seine Festplatte. Nach der Übertragung im Internet muß der Empfänger das E-Cash wieder bei einer anderen Lizenzbank einlösen und erhält daraufhin eine Gutschrift auf seinem realen Konto. Damit ist die moderne Übertragung virtuellen Geldes im Internet an die Prozesse der Old Economy gekoppelt. Das Internet ist somit nichts anderes als ein Übertragungsmedium und bleibt auf die oben beschriebene Variante der email Übermittlung reduziert – nur komplizierter. E-Cash ist mit der Internet-Übermittlung eines Schecks vergleichbar, mit dem Unterschied, daß das ganze Scheckbuch vorausbezahlt werden muß.

Die verläßliche Übermittlung virtuellen Geldes kommt mit einer reduzierten Definition des Zahlungsmediums zurecht – reduziert auf die für den Handel gebrauchte Tauschfunktion. Diese Kernfunktion des Geldes ist nicht zwingend an das Bankensystem gebunden, bei den bisherigen Fehlversuchen der Kreditinstitute darf mit Recht bezweifelt werden, ob diese Spieler im Wirtschaftskreislauf ihre Rolle dermaßen beschneiden wollen, bzw. in den bestehenden Strukturen überhaupt beschränken können.

Elektronisches Geld darf nicht in reale Währung zurück getauscht werden, jedenfalls nicht nach jeder Transaktion. Es muß sauber verwaltet werden. Vieles spricht dafür, daß auch Nichtbanken die Funktion einer Clearingstelle übernehmen. Sie müssen das nötige Wissen in Sicherungstechnik und Verschlüsselung haben und eine neutrale Position dem Handel gegenüber beweisen. Ein guter Nachweis für ihre sorgfältige Abwicklung ist die Übernahme des Risikos für die Transaktion. Die Aufgabe besteht in der verläßlichen Verwaltung des Tauschgeldes und der korrekten Zu- oder Abbuchung in die Verfügungsberechtigung der Handelspartner.

Für die konkreten Ausgestaltungen des Clearings gibt es unterschiedliche Varianten. Eine Zentrale kann die Konten der Teilnehmer verwalten und jeweils in ihren Rechnern Zu- und Abbuchungen vornehmen. Das ist die einfachere Variante, die weniger Risiken birgt, als eine Verwaltung auf den Rechnern der jeweiligen Teilnehmer am System. Die dezentrale Verwahrung scheint zwar dem Wesen des Internet als multilaterales Medium näher zu stehen, aber sie erzwingt einen hohen Aufwand an die Verschlüsselungstechnik und die verlustfreie Zirkulation. Die Fälschungssicherheit ist einer dezentralen Streuung des Geldes nicht zu gewährleisten. Die Risikoaversion der Marktteilnehmer wird vermutlich zu einer Art von Vorkasse führen - „vorausbezahltes Scheckheft“, und damit wird ihm die nötige Akzeptanz versagt bleiben.

Das Betrugsrisiko bei virtuellem Geld mit zentraler Verwahrung ist gering. Es reduziert sich auf die computertechnischen Methoden des Schutzes des Rechenzentrums gegen betrügerische Eindringlinge. Dieser Herausforderung hat sich allerdings jeder Teilnehmer am iCommerce zu stellen. Jeder Marktteilnehmer muß seine Rechner schützen, der Betreiber eines Rechenzentrums ebenso wie der Verwalter von Bonussystemen. Mit der ständig wachsenden Zahl von Viren wird jedem Internet Benutzer ein gewisser Sicherheitsstandard abgefordert.

Ohne die Funktion des virtuellen Geldes als Vermögensspeicher ist die Motivation für kriminelle Energie jedoch erheblich reduziert. Der Teilnehmer am System wird nicht belohnt, wenn er größere Vermögen sammelt und potenzielle Betrüger sind damit nicht besonders motiviert, Zugang zu den Verwaltungsstellen zu bekommen. Der tatsächliche Betrug findet beim Handelsgeschäft selbst statt. Betrug ist in diesem Sinne die Erschleichung von Leistungen ohne Zahlung. Dabei kommt es nicht auf die Art der Zahlung an. Der Betrug findet auf der vorgelagerten Ebene statt. Der Kunde bekommt Ware, ohne die Zahlung zu veranlassen, oder der Anbieter bekommt Geld ohne Gegenleistung. Die Art der Zahlung oder Nichtzahlung ist in diesem Betrugsfall völlig unbedeutend.

6.4. Clearing für virtuelles Geld

Bei der Verwaltung der virtuellen Währung gibt es eine Gemeinsamkeit mit dem Bankensystem der Old Economy: Die Aktionen lassen sich mit begrenztem Risiko nur in einer Gemeinschaft von registrierten Benutzern durchführen. Die Anonymität des Internet muß deshalb dort aufgegeben werden, wo die Bonität entscheidungsrelevant ist. Sobald der Teilnehmer einen Lieferanten- oder Kundenkredit im iCommerce in Anspruch nehmen will müssen Daten über den Nutzer gesammelt werden, mit denen eine Identität aufgebaut wird. Das ist eine virtuelle Identität, die lediglich aus einem Datenkranz besteht, der auf die bonitätsrelevanten Informationen reduziert ist, wie oben bereits erläutert. Risikomanagement ist immer ein trade off zwischen Information und Bonität. Je weniger der Teilnehmer Risiken verursacht, desto geringer ist der Informationsbedarf der Clearing Zentrale. Verfügt er nur aus seinem Guthaben an virtueller Währung, brauchen wegen des fehlenden Risikos keine Identitäts- und Bonitätsinformationen übermittelt und gesammelt zu werden. Hat er später den Wunsch nach einer Kreditgewährung, liefert er weitere Informationen zu seinem Bonitätsprofil.

Ein zentrales System birgt erheblich geringere Sicherheitsrisiken als die dezentrale Verteilung und Haltung einer virtuellen Währung. Deshalb wird in dem folgenden Entwurf nur die zentrale Variante besprochen. In dieser Realisierung hat jder Teilnehmer ein iCommerce Konto, das seine Handelsprozesse widerspiegelt. Jeder Kauf oder Verkauf wird registriert und steht ihm als Information zur Verfügung. So hat er jederzeit einen vollständigen Überblick zu seinen Transaktionen und seinem Bestand an virtueller Währung. Auf das iCommerce Konto greift er passwortgeschützt zu. Die Sicherheit der Datenbank ist im Hinblick auf den verlustfreien Bestand des virtuellen Zahlungsmittels intensiven Tests zu unterziehen. Kein Teilnehmer darf den Bestand des virtuellen Geldes auf seinem iCommerce Konto in betrügerischer Absicht verändern. Die Datenbank muß jederzeit rekonstruierbar sein.

Der Handelsprozeß wird in seine logischen Bestandteile des Geschäftsabschlusses und der Bezahlung getrennt. Für die Sicherheit des Geschäftsabschlusses sorgt die Clearing Zentrale. Sie hat beide Partner registriert und übernimmt das Risiko, indem sie vor dem Kaufabschluß die Bonität prüft. Konkret stellt sie fest, ob der Käufer genügend virtuelles Geld und genügend Bonität für den nötigen Verfügungsrahmen hat. Dann gibt sie den Kauf frei. So wird die Vertrauenslücke geschlossen. Der Verkäufer leistet oder bringt seine Güter auf den Weg. Nach einer vereinbarten Frist erfolgt die Zahlung.

Der Zahlungsprozess selbst ist im Prinzip von der Leistung aus dem Geschäftsprozess unabhängig. Deshalb kann eine Übertragung nach einer Übereinkunft zwischen beiden Partnern ohne weiteres erlaubt werden, sofern ein Guthaben virtuellen Geldes verfügbar ist. Für diesen Ablauf sind ist zunächst der Zugriff auf das iCommerce Konto per Passwort zu erlangen. Anschließend soll der Partner die Möglichkeit haben

• virtuelles Geld an andere Partner zu übertragen
• virtuelles Geld von anderen Partnern anzunehmen.

Die Interaktion im Internet eröffnet bessere Möglichkeiten, als der Standard im online Banking. Bei einer Überweisung im online Banking greift der Partner auf sein Konto zu und füllt einen Überweisungsträger aus. Diesen gibt er dann mit einer Transaktionsnummer frei, die nach der Transaktion ungültig wird. Die Transaktionsnummern werden aus Sicherheitsgründen per Post verschickt. Das Geld wird dann auf den konventionellen Bankwegen zum Empfänger transportiert. Das Verfahren hat mindestens zwei Medienbrüche; der Postversand und die Transaktion im Bankensystem.

Mit dem virtuellen Geld soll das Internet an keiner Stelle verlassen werden. Dies spart Kosten und hat für den Partner eine erheblich höhere Bequemlichkeit. In dem etablierten Verfahren ist die Internet typische Form des email noch ungenutzt. Ein Bezahl- und Übertragungsverfahren des virtuellen Geldes geht über eine Transaktionsroutine, die von Sender und Empfänger, das heißt von beiden Seiten aktiv genutzt wird. Der Sender trägt einen Betrag in eine temporäre Transaktionsdatei ein, der Empfänger holt sich den Betrag aus der Transaktionsdatei ab. Der Sender verschlüsselt den gesamten Datensatz mit einem von ihm selbst gewählten Schlüsselwort; der Rechner packt sein Paßwort und das Paßwort des Empfängers dazu und schreibt die Daten in die Transaktionsdatei. Der Empfänger geht mit seinem Paßwort in sein iCommerce Konto und holt sich die Transaktion unter Eingabe des Paßwortes ab. Dabei wird seine Anfrage mit seinem Paßwort und dem Schlüsselwort codiert. So wird jede Aktion im zentralen System dokumentiert und ist nachvollziehbar. Im Falle einer Reklamation ist der Vorgang vom Administrator rückgängig zu machen.

icommerce
Konto

6.5. Ökonomische Implikationen

Die virtuelle Währung realisiert lediglich die Tauschfunktion des Geldes. Eine Aufgabe als Vermögensspeicher hat die Währung nicht. Die Liquiditätshaltung wird nicht vergütet, es erfolgt keine Zinszahlung für die Zurückhaltung der virtuellen Währung aus dem Handelsprozess. Für den Käufer hat das zunächst keine besondere Bedeutung – für den Verkäufer sehr wohl, wenn man die Bedingung in die Überlegung einführt, daß die virtuelle Währung nicht in reales Geld zurück getauscht werden kann. Er ist also motiviert, das virtuelle Geld im Handelsprozess wieder umzusetzen.

Für den einfachen Fall des Handels mit realen Gütern ergibt sich aus der Kombination von virtueller Währung, Nullzins und fehlendem Rücktausch eine Verstärkung der ökonomischen Prozesse auf der Basis virtuellen Geldes. Der Verkäufer wird tendenziell bestrebt sein, sein Geld wieder auszugeben und dafür Güter im iCommerce zu erwerben. Der iCommerce erhält dadurch Auftrieb, denn die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes wird ansteigen. Diese Tatsache wird die Attraktivität des iCommerce steigern, denn sie motiviert neue Verkäufer, sich dem System anzuschließen – die dann wiederum mit dem virtuellen Geld aus ihrem Handel den iCommerce beleben. Es entsteht ein selbst verstärkender Effekt. Nach dem Start des iCommerce auf einer Insel virtuellen Geldes wird sich das System ausweiten. Damit ist ein Internet Prozess in Gang gesetzt, der alle Merkmale eines Geschäftsbildes trägt, der auf der Basis des Internet gegründet ist und die Voraussetzungen eines erfolgreichen Modells erfüllt:

• die Interaktion der Partner wird angeregt
• Interaktion führt zu selbst verstärkenden Entwicklungen
• das Internet ist notwendige Bedingung
• die virtuelle Identität der Partner wird gewährleistet.

In welcher Richtung wird die Entwicklung weiter gehen können? Der nächste logische Schritt ist der Handel mit virtuellen Gütern – solche Güter, die rein digital hergestellt und übertragen werden, also Texte, Bilder, Programme, usw. Die Bezeichnung „virtuell“ wurde gewählt, um die Güter des iCommerce in einen Zusammenhang zu stellen mit virtueller Währung, virtueller Identität und virtuellem Handel. Diese Begrifflichkeiten umschreiben die virtuelle Wirtschaft des iCommerce in reiner Form.

In der virtuellen Wirtschaft finden sich viele Prozesse des realen Wirtschaftskreislaufs wieder, denn auch hier gibt es Angebot und Nachfrage, Herstellung und Verteilung, Einkommen, Investition und Konsum, Wettbewerb, Preistheorie und Geldtheorie. Andere Teile der Realwirtschaft werden nicht gebraucht und werden sich langfristig auch nicht etablieren können.

6.6. Import – Export des virtuellen Geldes

Das virtuelle Geld hat seinen Ursprung und seine Verwendung im Internet. Es läßt sich als Spiegelbild eines zum Güterkreislauf gehörenden Geldkreislaufs abbilden. Das Geld wandert in entgegengesetzter Richtung zum Güterkreislauf. Die makroökonomische Darstellung entspricht der einer Old Economy. Die wesentliche Erweiterung ist die Gültigkeit und Stabilität des Kreislaufs über nationale Grenzen hinweg. Das Internet ist ein schrankenloses, länderübergreifendes Medium. Der Kreislauf des Geldes macht also nicht an den Schranken der nationalen Ökonomien halt. Er ist auf dem Internet basiert und also ohne nationale Spezifikationen und Eigenheiten gültig. Daher gibt es keine Wechselkurse im virtuellen Geld, keine Umtauschverfahren, keine Währungen, keine Gebühren bei der Überschreitung von Landesgrenzen. Virtuelles Geld ist mit dem Internet universal.

Einige entscheidende Unterschiede zwischen dem Geldkreislauf der Old und New Economy gibt es doch, und sie definieren die Rolle des virtuellen Geldes. Dem virtuellen Geld fehlt eine Senke. Es gibt keine nationalen oder internationalen Sammelstellen, d.h. keine Kreditinstitute im iCommerce. Ihre Funktion kommt in der virtuellen Welt nicht vor, da keine Zinszahlung für den Verbleib des Geldes in der Senke vorgesehen ist. Ein Kapitalmarkt wird für den Handel mit virtuellen oder realen Geldern im Internet nicht gebraucht. Das virtuelle Geld hat lediglich eine Tauschfunktion. Mit der fehlenden Funktion als Vermögensspeicher gibt es auch keine Zinsen für die Vermögenshaltung, mithin auch keine Gelegenheit, mit der Zinsmarge Geld zu verdienen. Insofern wird die Rolle der Banken als Vermittler auf dem Kapitalmarkt nicht wegdefiniert, sondern sie entfällt und bildet sich mangels Verdienstmöglichkeiten auch nicht neu.

Die fehlende Senke kann also kein Quell für virtuelles Geld sein. Nun ist es aber unmittelbar einsichtig, daß ohne die Entstehung virtuellen Geldes kein Kreislauf am Leben erhalten wird. Ein einmaliger Zufluß des Geldes wird sehr rasch versiegen, da er sich über die Abermillionen von Nutzern im Internet atomisiert und praktisch seine Bedeutung verliert.

Der Zufluß des virtuellen Geldes läßt sich aus zwei Quellen speisen. Die eine ist systemimmanent aus der virtuellen Wirtschaft des Internet abzuleiten. Eine virtuelle Wirtschaft hat ebensolche Entlohnungs- oder Einkommensprozesse wie die etablierte Ökonomie. Sie hat eine Input - Output Rechnung mit einer Entstehungs- und einer Verwendungsseite des Einkommens der primären Produktionsfaktoren. Je nach Differenzierung der Input – Output Rechnung werden die Faktoreinkommen über mehrere Sektoren verteilt, bzw. durchgeschleift. In einer virtuellen Wirtschaft entsteht das Geld als Handels- oder Produktionsmarge in den Sektoren, als Vergütung für die Faktoreinsätze. Ein Hersteller oder Verkäufer von virtuellen Gütern erhält in der virtuellen Welt des iCommerce seine Entlohnung in virtueller Währung. Eine Quelle für virtuelles Geld ist also die Wertschöpfung.

Eine andere Quelle ist der Import aus der realen Welt. An diesem Punkt muß tatsächlich ein Tauschkurs festgelegt werden. Das kann explizit geschehen, indem eine Leitwährung zugrunde gelegt und eine Umtauschrelation definiert wird. In diesem Fall tauscht die Clearingstelle und schreibt das virtuelle Geld dem iCommerce Konto des Einzahlers gut. Dort steht es dann für den Einkauf zur Verfügung. Letztendlich ist der direkte Weg nur eine Art von Vorkasse im virtuellen Handelssystem.

Der indirekte Weg wird über den Verkauf von realen oder virtuellen Produkten beschritten. Der Verkäufer erhält seine Bezahlung über die für den Handel notwendige Clearingstelle in virtueller Währung, während diese beim Käufer die reale Währung einzieht. Zusammen mit der notwendigen Bedingung des nicht erlaubten Umtauschs der virtuellen Währung in reales Geld wirkt der direkte und indirekte Weg über die Clearingstelle wie eine semipermeable Membran. Der Verkäufer hat im Tausch gegen seine Güter virtuelles Geld, das er nur im Internet wieder verwenden kann. Er muß also von der Verkäufer- in die Käuferfunktion wechseln.

Der Import des Geldes in die virtuelle Welt ist von den individuellen Währungen unabhängig. Der virtuellen Wirtschaft fließt ein permanenter Strom virtueller Währung zu. Seine verlustfreie Verwaltung im Internet wird von der Clearingstelle für Geld garantiert und speist den Geldkreislauf. Dem System wird nach dem Vorbild der Thermodynamik negative Entropie zugeführt. Das Geld wird in der virtuellen Ökonomie allerdings verlustfrei transportiert. Es vermehrt sich in den Wertschöpfungsketten der New Economy und erhält einen beständigen Zufluß an neuem Geld über den indirekten Import. Langfristig wird auf der Basis des Internet das Volumen der virtuellen Währung beständig anwachsen. Der entscheidende Unterschied zu der realen Wirtschaft ist der verlustfreie Transfer. Während die Natur als negative Entropie in der Old Economy tatsächlich verbraucht wird, geht das Geld in der virtuellen Wirtschaft nicht verloren. Das von der Natur entlehnte Prinzip der semipermeablen Membran fördert den langfristigen Anstieg der Geldmenge in der virtuellen Ökonomie.

Ein Export der Währung kann nicht direkt erfolgen, sondern allenfalls indirekt. Mit virtuellem Geld lassen sich reale Güter kaufen, die damit das virtuelle Geld über einen indirekten Export abfließen lassen. Die Vermehrung der Geldmenge im iCommerce wird dadurch negativ beeinflußt, was sich - zumindest in der Anfangsphase der Realisierung – nicht verhindern läßt.

Die Steigerung der Geldmenge wird dem freien Spiel der Marktmechanik und der Präferenzen überlassen. Die Geldbewegungen laufen entgegengesetzt zu den Güterbewegungen. Ein entwickelter iCommerce hat mehrere Sektoren, oder mehrere Handelsstufen. Bei einer Geldbewegung zwischen den Sektoren innerhalb einer Wertschöpfungskette ist der Rücktausch in die reale Währung mit zusätzlichen Kosten verbunden. Der Verkäufer eines Gutes kauft im Internet Vorprodukte. Hat er sein Geld aus dem Verkauf in reale Währung getauscht, so muß er für den Kauf der Vorprodukte mangels virtuellen Geldes einen Lieferantenkredit bei der Clearingzentrale aufnehmen. Die Zentrale wird ihm nach Prüfung nur einen Kredit in Abhängigkeit von seiner Bonität einräumen.

Ein Export virtuellen Geldes mit nachfolgendem Import baut vermeidbare Ineffizienz auf. Bei einem Verbleib im iCommerce ist keine Bonitätsprüfung nötig, also auch keine Veritätsprüfung. Der Inhaber des virtuellen Geldes kann anonym bleiben, denn er verfügt aus seinem Guthaben. Exportiert er sein Geld, muß er beim späteren Import wieder Vorkasse leisten oder bei der Inanspruchnahme eines Lieferantenkredites eine neuerliche Prüfung seiner Bonität in Kauf nehmen, mit dem damit verbundenen Zeitverzug oder möglichen Beschränkungen des Verfügungsrahmens. Diese Prüfungskosten sind vom Verkäufer zu tragen. Sie belasten die Handelsparteien mit vermeidbaren Kosten der Informationsbeschaffung und belohnen somit den Verbleib des virtuellen Geldes im System. Die Marktmechanik wird die zusätzliche Entropie der Informationsbeschaffung auf ein Minimum reduzieren. Im Ergebnis werden also die Käufe innerhalb der Input-Output Matrix des Geldes (der Kosten) maximiert. Der Verkäufer wird eine bessere Kondition für die Zahlung mit virtuellem Geld einräumen, als für die Zahlung mit importiertem und gewandeltem realen Geld.

Input – Output Matrix des Geldes

Sektor 1 Sektor 2 Sektor 3 ........ Sektor n Arbeit Information Export
Sektor 1
Sektor 2
Sektor 3
............
Sektor n
Primäre Einsatzfaktoren
Kapital
Arbeit
Information
Import

Im obigen Schaubild ist die volkswirtschaftliche Variante der Input – Output Matrix des Geldes dargestellt, d.h. die Zusammenfassung der Ströme zu Sektoren des iCommerce. Eine Abbildung für die mikroökonomische Betrachtung sieht sehr ähnlich aus, in der Vorleistungsmatrix der sekundären Einsatzfaktoren sind die Zeilen und Spalten bis auf die Ebene des einzelnen Unternehmens differenziert. Die zugehörigen Produktionsfunktionen werden wegen der Aggregation zu den Sektoren selbstverständlich anders zusammengefasst und mathematisch vereinfacht.