Virtuelles Geld deutsch

Zusammenfassung der Texte zum virtuellen Geld

Das virtuelle Geld wird in den Gesamtzusammenhang der virtuellen Ökonomie gestellt.

Forschungsbericht zum Forschungsvorhaben Virtuelles Geld (Forschungsbericht USA)

Zusammenfassung:

Die Forschung zum virtuellen Geld hat Ergebnisse mit folgenden Themenschwerpunkten erbracht:

Virtuelles Geld ist ein fehlender Eckpfeiler für die virtuelle Wirtschaft auf der Basis des Internets (I-Conomy).

Die Realisierung Virtuellen Geldes wird leichter und hat bereits einige Vorläufer, die in diese Richtung weisen (Linden-Dollar, E-Gold).

Eine Virtuelle Ökonomie ist nicht den Problemen ausgesetzt, die ethisch unverantwortliches Handeln in der realen Ökonomie verursachen (Finanzsektor, kriminelle Geldwäsche).

Vor allem für die ökonomische Verwaltung und Abwicklung Virtueller Güter hat Virtuelles Geld deutliche und ökonomisch relevante Kostenvorteile.

Die Virtuelle Ökonomie realisiert die Randbedingungen der ökonomischen Theorien (vor allem der Neoklassik) besser, als die aktuell gewachsenen Wirtschaftsformen.

Sogar alternative Wirtschaftskonzepte, wie Gesells „Natürliche Wirtschaftordnung“ lassen sich virtuell abbilden.

Ergebnisse für die Lehre: Ein Teil meiner Vorlesungen und Skripte ist während des Aufenthalts ins Englische übersetzt worden. Ich habe in den aktuellen Vorlesungen zum E-Commerce bereits drei Vorlesungseinheiten in Englisch für StudentInnen im 5. Semester gehalten.

Detailbericht:

Während des Forschungsaufenthaltes habe ich an der National American University Gastvorlesungen zu meinem Arbeitsgebiet „E-Commerce“ und speziell zum Thema „Virtual Money“ gehalten. Dieses Themengebiet ist in USA ähnlich dünn mit Know How besetzt wie in Deutschland. Insbesondere fehlt ein aktuelles Praxiswissen zu dem gesamten Internet-Komplex.

Ich konnte in der Zeit die Kapazitäten der Universität nutzen und habe meine deutschen Internet Marketingkurse ins Englische übersetzt. Außerdem habe ich inhaltliche Beiträge zum Forschungsthema „Virtuelles Geld“ in Deutsch verfasst. Die intensive Auseinandersetzung mit der amerikanischen „Kultur“ aber auch mit dem Weltbild der Native Americans haben meiner Vorlesung zum Themengebiet der „Rahmenbedingungen der Ökonomie“ neue Impulse verliehen.

Ich habe in der Zeit die notwendige Muße gehabt, neue Gedanken und kreative Ideen zur Ökonomie, ihren Rahmenbedingungen und den Grundlagen der Virtuellen Ökonomie zu entwickeln.

An der NAU (National American University) habe ich während der Anfangs- und der Endphase meiner Reise jeweils einige Wochen gearbeitet. Während der gesamten Forschungsreise habe ich kreative Konzepte generiert, die nun ausgearbeitet und veröffentlicht werden.

Eine erste Veröffentlichung im E-Commerce Magazin zu einem speziellen Google-Thema gab es bereits. Die Kopien liegen in der EUFH vor.

Forschungsthema „Virtuelles Geld“

Eine kurze Geschichte des Internet Geldes

Bisher versuchten Banken, ein Zahlungsmittel zu etablieren, das ihren Anforderungen genügt; und erst in zweiter Linie denen des Handels. Es sollte ein Spiegelbild des bereits offline existierenden Geldes sein. Der Bankensektor war für die Ausgabe und die Sicherheit des virtuellen Geldes verantwortlich. Deshalb achtete er darauf, dass es sicher vor missbräuchlicher Benutzung, wie „umlenken“, „fälschen“ oder „zerstören“ war.

Das elektronische Zahlungsmittel sollte Bargeld ersetzen. So konnte es niemand zurückver¬folgen oder in eine Verbindung mit dem Kaufakt bringen. Es sollte problemlos an andere Geschäftspartner weitergegeben werden und keine höheren Kosten als Bargeld verursachen.

Diese Anforderungen waren nur mit komplexen Lösungen zu erfüllen und der erste Prototyp wurde in der Tat von zwei japanischen Forschern als „Universal Electronic Cash (UEC)“ beschrieben. Zunächst wurde ein UEC Coupon von einer Bank mittels eines asymmetrischen Schlüssels, einer digitalen Unterschrift, unterzeichnet. Die Bank sollte anschließend das Dokument und den dahinter liegenden Kaufprozess nicht mehr erkennen. Das Geld wurde „blind“ gemacht.

Jeder Teilnehmer erhielt einen verschlüsselten Teil des Coupons und nur alle gemeinsam konnten einen gültigen Coupon wieder herstellen. Die kryptografische Methode dahinter ist relativ kompliziert. Sie beruht auf einer großen Zahl von Seriennummern, die mit einem Zufallsgenerator beim Verkäufer ausgewählt werden. Der Käufer packt mit seinem Schlüssel die zugehörigen Teile dazu und der Verkäufer reicht das Datenbündel bei der Bank ein.

Die Bank kann nun anhand der von ihr vorher beschrifteten Coupons erkennen, ob der eingereichte Datensatz schon einmal, und damit doppelt, als Geld ausgegeben wurde. In diesem Fall weist sie den Coupon zurück. Man kann nicht verhindern, dass ein Coupon mehrfach ausgegeben wurde, aber die Bank kann es feststellen.

Es ist nicht das Ziel der Zusammenfassung die Wirkungsweise des Zahlungssystems im Detail zu verstehen. Das Verfahren erfordert anspruchsvolle Rechenoperationen bei allen Beteiligten. Es erfüllt alle Bedingungen an Bargeld ersetzendes elektronisches Geld.

UEC war die Vorform von eCash, einem virtuellen Geld, das die Banken in den Markt gebracht haben. eCash basiert ebenfalls auf einem asymmetrischen Schlüssel mit Seriennummern. Die elektronische Münze kann nicht doppelt ausgegeben werden und der Käufer bleibt anonym. Das Verfahren ist etwas einfacher als UEC, aber deshalb nicht automatisch erfolgreich. Inzwischen ist es mangels Akzeptanz wieder vom Markt verschwunden. Das Beispiel illustriert aber, was der iCommerce nicht braucht.

Der iCommerce braucht keine aufwändigen Rechenmethoden, die der Benutzer auf seinem Computer installieren muss und mit denen er nur von seinem dedizierten Rechner arbeiten kann. Die Mehrzahl der Teilnehmer an dem Zahlungssystem legt offensichtlich keinen Wert auf die völlige Anonymität, denn die hat wiederum den Nachteil einer sehr umständlichen Reklamationsabwicklung. Bei einer Rückabwicklung des Geschäftes muss die Anonymität wieder aufgehoben werden, sonst kann die Berechtigung zur Reklamation nicht überprüft werden.

Die Sicherheit der Zahlungsabwicklung wird von den Teilnehmern ganz offensichtlich unterschiedlich bewertet. Die Banken legen einen großen Wert auf die sichere Zahlung; das entspricht ihrem Weltbild, ihrem Selbstverständnis und ihrer Aufgabenstellung. Der Handel hat andere Prioritäten. Was nutzt es dem Käufer, wenn er sein Geld sicher überträgt, aber er beim Handelsgeschäft nicht zufriedengestellt wird. Oder noch schlimmer: wenn er trotz sicherer Zahlung die Leistung nicht erhält.

Das Entsprechende gilt für den Verkäufer. Bei einer geringen Verbreitung im Markt hat er keinen Vorteil wenn der Interessent gar kein eCash auf seinem Rechner installiert hat und deshalb enttäuscht den Web Shop verlässt. Was nutzt es ihm zu wissen, dass der Kunde hätte sicher zahlen können, wenn das Geschäft gar nicht zustande kommt.

Das ist ein typisches Beispiel, wie mit hohem Aufwand eine Dienstleistung entwickelt, die der Markt nicht braucht. Der Wurm schmeckte zwar dem Angler, aber nicht dem Fisch.

Mit dem virtuellem Bargeld (eCash) simuliert man nur knapp 5 % des gesamten Geldkreislaufs. 95 % der Zahlungsmittel werden elektronisch übertragen, von Konto zu Konto. Die Handelspartner sind bereits den Gebrauch elektronischer Zahlungsmittel gewohnt. Sie erwarten eine vergleichbare Bequemlichkeit und Kundenfreundlichkeit auch im iCommerce.

Jedes neue Zahlungsmittel braucht eine möglichst hohe Akzeptanz. An der Akzeptanz entscheidet sich letztlich die Marktdurchdringung. Die erfolgreiche Durchführung des Handelsgeschäftes bestimmt den Einsatz und den Erfolg eines Zahlungssystems, nicht der erfolgreiche Geldtransfer. Deshalb ist es geradezu ein Nachteil, den Zahlungsvorgang vom Leistungsaustausch zu trennen. Ein für die virtuelle Ökonomie geeignetes Transaktionsmedium braucht einen unmittelbaren und untrennbaren Bezug zum Handelsgeschäft.

Abb. 1: Clearing Center

Logischerweise folgt daraus, dass ein virtuelles Zahlungsmittel für den iCommerce die Anforderungen des Handels erfüllen muss und erst in zweiter Linie die Sicherheitsbedürfnisse der Banken. Das ist eine zwingende Reihenfolge. Also sind Nichtbanken zur Einführung und Verwaltung eines virtuellen Zahlungsmittels besser geeignet.

Virtuelles Geld als Tauschmittel

Aus der Reduktion des virtuellen Geldes auf seine Tauschfunktion folgen einige Implikationen für die Geldtheorie im iCommerce und für die Rolle der Geldverleiher, der Zentralbanken und der Investitionstheorie. In der Old Economy wird derjenige mit einem Zinssatz entschädigt, der auf die langfristige Hortung seines Geldes verzichtet und es dem Wirtschaftskreislauf wieder zuführt. Je unsicherer die Investition ist, desto höher muss der Zinssatz für den Gläubiger sein. Das Geld wird demnach aus der Tausch- in die Vermögensfunktion überführt. Im (virtuellen) iCommerce wird für die Tauschfunktion kein Zinsertrag versprochen, was die Hortung von virtuellem Geld relativ uninteressant macht.

Als Tauschmedium ist das Virtuelle Geld im iCommerce die unverrückbare Grundlage der arbeitsteiligen Wirtschaft. Der Produktionsprozess ist ohne eine Bewertung der Zwischenergebnisse und der Einsatzfaktoren nicht auf mehrere Hersteller zu verteilen. Ein Handel ohne eine Tauschwährung ist nicht durchführbar. Im Handel wird das iCommerce Gold weitergegeben; und zwar im direkten Austausch mit den gehandelten Gütern. Die Aufgabe in der Organisation des Handels mit virtuellen Gütern besteht darin, das Virtuelle Geld verlustlos und eindeutig weiterzugeben. Man braucht also eine Organisation die sicherstellt, dass kein Zahlungsmittel ohne entsprechende Lieferung oder Leistung ausgezahlt wird und damit verloren ist. Sie gewährleistet auch, dass kein neues Zahlungsmittel ohne Gegenleistung „erzeugt“ wird.

Im Unterschied zur Old Economy treten die Partner im iCommerce aber direkt in eine Interaktion miteinander. Im einfachsten Fall schicken sie ein E-Mail. Diese einfache Idee war die Grundlage für das Verfahren „Paypal“. Sieht man von Fälschungsvarianten und Betrügereien ab, könnte das E-Mail wie Geld behandelt und weitergegeben werden. Der nächste Empfänger hätte ein dokumentiertes Zahlungsversprechen auf seinem Rechner, das er für seinen Tausch gegen Leistungen weiter verwenden könnte. Es ist unmittelbar einsichtig, dass dieser Prozess weder fälschungssicher noch verlustfrei ist.

Zur Durchführung eines praktikablen Transfers wird also auch im iCommerce ein verlässliches Zahlungsmittel gebraucht das nicht beliebig zu vermehren oder zu fälschen ist. Es muss jedoch nicht zwingend in die Realität zurück getauscht werden, also braucht weder seine Bezeichnung noch sein Wert eine reale Währung sein. Die Anforderung an das Virtuelle Geld ist weniger streng, als an eine reale Währung. Es sind keine aufwändigen Druckverfahren oder fälschungssichere Produktionen notwendig, wenn der Kreislauf zwischen vertrauenswürdigen und bekannten Partnern geschlossen bleibt. Diese Voraussetzung ist aber im Internet praktisch nicht erfüllbar. Die Vertrauenslücke muss von einem neutralen Partner geschlossen werden.

Zum Ende dieses Abschnittes sollen die Regeln des Virtuellen Geldes aus Sicht einer Clearing-Stelle zusammengefasst werden:

Abb. 2: Regeln für Virtuelles Geld

Clearing für virtuelles Geld

Bei der Verwaltung der virtuellen Währung gibt es eine Gemeinsamkeit mit dem Bankensystem der Old Economy: Die Aktionen lassen sich mit begrenztem Risiko nur in einer Gemeinschaft von registrierten Benutzern durchführen. Der Benutzer hat eine virtuelle Identität, die lediglich aus einem Datenkranz besteht, der auf die bonitätsrelevanten Informationen reduziert ist. Risikomanagement ist immer ein trade off zwischen Information und Bonität. Je weniger Risiken der Teilnehmer verursacht, desto geringer ist der Informationsbedarf der Clearing Zentrale. Verfügt er nur aus seinem Guthaben an virtueller Währung, brauchen wegen des fehlenden Risikos keine Identitäts- und Bonitätsinformationen übermittelt und gesammelt zu werden. Der Teilnehmer bleibt anonym.

Ein zentrales System birgt erheblich geringere Sicherheitsrisiken als die dezentrale Verteilung und Haltung einer virtuellen Währung. Deshalb wird nur die zentrale Variante besprochen. In dieser Realisierung hat jeder Teilnehmer ein iCommerce-Konto das seine Handelsprozesse widerspiegelt. Jeder Kauf oder Verkauf wird registriert und steht ihm als Information zur Verfügung. So hat er jederzeit einen vollständigen Überblick zu seinen Transaktionen und seinem Bestand an virtueller Währung. Auf das iCommerce Konto greift er passwortgeschützt zu. Die Sicherheit der Datenbank ist im Hinblick auf den verlustfreien Bestand des virtuellen Zahlungsmittels intensiven Tests zu unterziehen. Diese Art der sicheren Kontoführung gibt es bereits seit Jahren im Online-Banking.

Ökonomische Implikationen

Das virtuelle Geld realisiert lediglich die Tauschfunktion, eine Aufgabe als Vermögensspeicher hat das Geld nicht. Die Liquiditätshaltung wird nicht vergütet, es erfolgt keine Zinszahlung für die Zurückhaltung des virtuellen Geldes aus dem Handelsprozess. Für den Käufer hat das zunächst keine besondere Bedeutung – für den Verkäufer sehr wohl, wenn man die Bedingung in die Überlegung einführt, dass die virtuelle Währung nicht in reales Geld zurück getauscht werden kann. Er ist also motiviert, das virtuelle Geld im Handelsprozess wieder umzusetzen.

Für den Handel mit Virtuellen Gütern ergibt sich aus der Kombination von virtuellem Geld, Nullzins und fehlendem Rücktausch eine Verstärkung der ökonomischen Prozesse. Der Verkäufer wird bestrebt sein, sein Geld wieder auszugeben und dafür Güter im iCommerce zu erwerben. Der iCommerce erhält dadurch Auftrieb, denn die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes wird ansteigen. Diese Tatsache wird die Attraktivität des iCommerce steigern, denn sie motiviert neue Verkäufer, sich dem System anzuschließen – die dann wiederum mit dem virtuellen Geld aus ihrem Handel den iCommerce beleben. Es entsteht ein selbst verstärkender Effekt. Nach dem Start des iCommerce auf einer Insel virtuellen Geldes wird sich das System ausweiten. Damit ist ein Internet Prozess in Gang gesetzt, der alle Merkmale eines erfolgreichen Geschäftsmodells auf der Basis des Internets trägt:

• die Interaktion der Partner wird angeregt
• Interaktion führt zu Netzeffekten (increasing returns to scale)
• das Internet ist notwendige Bedingung
• die virtuelle Identität der Partner wird gewährleistet.

Bisher wurde nur das Virtuelle Geld besprochen und im Ansatz der Handel mit virtuellen Gütern – also Dienstleistungen und solche Güter, die rein digital hergestellt und übertragen werden: Texte, Bilder, Programme, usw. Die Bezeichnung „virtuell“ wurde gewählt, um die Güter des iCommerce in einen Zusammenhang zu stellen mit virtueller Währung, virtueller Identität und virtuellem Handel. Diese Begrifflichkeiten umschreiben die virtuelle Wirtschaft des iCommerce in reiner Form.

In der virtuellen Wirtschaft finden sich viele Prozesse des realen Wirtschaftskreislaufs wieder, denn auch hier gibt es Angebot und Nachfrage, Herstellung und Verteilung, Einkommen, Investition und Konsum, Wettbewerb, Preistheorie und Geldtheorie. Andere Teile der Realwirtschaft werden nicht gebraucht und werden sich langfristig auch nicht etablieren können.

Zum Ende des Forschungsberichtes seien die Vorteile des Virtuellen Geldes nochmals zusammen gestellt.

Das Virtuelle Geld hat seinen Ursprung und seine Verwendung im Internet. Es ist das Spiegelbild eines zum Kreislauf der Virtuellen Güter gehörenden Geldkreislaufs. Die makroökonomische Darstellung entspricht der einer Old Economy. Die wesentliche Erweiterung ist die Gültigkeit und Stabilität des Kreislaufs über nationale Grenzen hinweg. Das Internet ist ein schrankenloses, länderübergreifendes Medium. Der Kreislauf des Geldes macht also nicht an den Schranken der nationalen Ökonomien halt. Er basiert auf dem Internet und hat deshalb keine nationalen Spezifikationen und Eigenheiten. Es gibt keine Wechselkurse im virtuellen Geld, keine Umtauschverfahren, keine Währungen, keine Gebühren bei der Überschreitung von Landesgrenzen. Virtuelles Geld ist mit dem Internet universal.

Abb. 3: Vorteile Virtuellen Geldes

Weitere entscheidende Unterschiede zwischen dem Geldkreislauf der Old und New Economy sind aus der Rolle des virtuellen Geldes abzuleiten. Dem virtuellen Geld fehlt eine Senke. Es gibt keine nationalen oder internationalen Sammelstellen, d.h. keine Kreditinstitute im iCommerce. Ihre Funktion kommt in der virtuellen Welt nicht vor, da keine Zinszahlung für den Verbleib des Geldes in der Senke vorgesehen ist. Ein Kapitalmarkt wird für den Handel mit virtuellen oder realen Geldern im Internet nicht gebraucht. Das virtuelle Geld hat lediglich eine Tauschfunktion. Mit der fehlenden Funktion als Vermögensspeicher gibt es auch keine Zinsen für die Vermögenshaltung, mithin auch keine Gelegenheit, mit der Zinsmarge Geld zu verdienen. Insofern wird die Rolle der Banken als Vermittler auf dem Kapitalmarkt nicht wegdefiniert, sondern sie entfällt und bildet sich mangels Verdienstmöglichkeiten auch nicht neu.

Die fehlende Senke kann also kein Quell für virtuelles Geld sein. Nun ist es aber unmittelbar einsichtig, dass ohne die Entstehung virtuellen Geldes kein Kreislauf am Leben erhalten wird. Ein einmaliger Zufluss des Geldes wird sehr rasch versiegen, da er sich über die Abermillionen von Nutzern im Internet atomisiert und praktisch seine Bedeutung verliert.

Systemimmanent aus der virtuellen Wirtschaft des Internet entsteht neues Virtuelles Geld. Eine virtuelle Wirtschaft hat ebensolche Entlohnungs- oder Einkommensprozesse wie die etablierte Ökonomie. Sie hat eine Input - Output Rechnung mit einer Entstehungs- und einer Verwendungsseite des Einkommens. Je nach Differenzierung der Input – Output Rechnung werden die Faktoreinkommen über mehrere Sektoren verteilt, bzw. durchgeschleift. Ein Hersteller oder Verkäufer von virtuellen Gütern erhält in der virtuellen Welt des iCommerce seine Entlohnung in Virtuellem Geld. Eine Quelle für virtuelles Geld ist also die Wertschöpfung.

In der heutigen Zahlung der Virtuellen Güter häuft der Import „Realen Geldes“ mit nachfolgendem Export vermeidbare Ineffizienz und Umwandlungskosten auf. Bei einem Verbleib des Virtuellen Geldes im iCommerce ist keine Bonitätsprüfung nötig also auch keine Veritätsprüfung. Der Inhaber des virtuellen Geldes kann anonym bleiben, denn er verfügt aus seinem Guthaben. Die Handelsparteien werden von vermeidbaren Kosten der Informationsbeschaffung entlastet und belohnen somit den Verbleib des Virtuellen Geldes im System. Die Marktmechanik wird die gesunkenen Transaktionskosten (Coase) als bessere Kaufkondition an den Markt weitergeben. Im Ergebnis werden also die Käufe innerhalb der Input-Output Matrix der Virtuellen Güter maximiert. Der Verkäufer wird eine bessere Kondition für die Zahlung mit virtuellem Geld einräumen, als für die Zahlung mit gewandeltem „Realen Geld“.

Schlussfolgerungen

Eine Ökonomie emergiert aus den Rahmenbedingungen. Mit dem neuen Medium Internet haben sich unzweifelhaft die Rahmenbedingungen verändert. Teilweise sind im Ansatz schon sichtbare Entwicklungen der Old Economy lediglich verstärkt worden. Dienstleistungen waren schon immer virtuelle Güter, ein Großteil der Märkte wird heute schon virtuell abgebildet, Geld ist zu 95 % bereits in virtueller Form im Umlauf und die Identität von Kapitalgesellschaften lässt sich durchaus als „virtuell“ bezeichnen.

Virtuelles Geld ist eine logische Fortentwicklung der Zahlungsprozesse. Seine Entstehung und Durchsetzung ist zu erwarten. Jedenfalls sind Veränderungen in diese Richtung deutlich wahrscheinlicher als Strukturkonstanz.